Der totale Spielraum oder:
Elitäre Diskussionen zur Freizeitgestaltung?
(April 2005, anlässlich einer Diskussion über die scheinbare Modeströmung der Nicht-Fernseher)
Ich bin gerade beim Sonntag-Abend-Chill-Out, nachdem ich den ganzen Tag an einem wissenschaftlichen Paper gebastelt habe - surfe durch openBC und sehe mir zum 1.000 Mal "Men in Black" an.
D.h. ich möchte damit ganz offen zugeben, dass ich 1) einen Fernseher habe und ich 2) mir u.U. auch gerne anspruchslose Dinge ansehe ;-) Dasselbe gilt auch für meine nicht immer zielgerichteten Streifzüge durch das Web. Ich könnte jetzt anführen, dass auch diese"sozialen Studien zu den in Science-Fiction-Serien des 20.Jahrhunderts geprägten Bild von Zukunft und Wissenschaft" natürlich auch wichtige Impulse für meine Arbeit verborgen sind. Was mir aber momentan nicht bewusst wird, weil ich diese Botschaft sozusagen unbewusst aufsauge ;-))

Aber eigentlich gibt es einfach Tage, wo ich es richtig super finde, vor dem Fernseher abzuhängen.
Fast im Ernst jetzt: Ich habe manchmal das Gefühl, man müsse für 16 Stunden am Tag inkl. Freizeit begründen, dass alles sinnvoll, weiterbildend, sozusagen bildungstechnisch "politisch korrekt" abläuft - ungefähr so, wie die politischen Magazine immer "einen Tag im Leben von <Namen eines Prominenten hier einsetzen>" beschreiben: Um 5:00 aufstehen, kreative Beschäftigung (z.B. kurze Meditation im Garten), dann mit der Familie frühstücken, auf dem Web zur Arbeit im Auto oder Flugzeug) schnell den Mega-Deal machen, <coole Jobbeschreibung einsetzen> und am Abend ein Original eines Meisterwerkes aus dem 18. Jahrhndert lesen, am Computer komponieren und eine Jamie-Oliver-Cooking-Session mit Freunden zu veranstalten.
Ist es nicht ganz legitim, einmal auch SO RICHTIG NICHTS SINNVOLLES ;-)) zu machen, ohne dass das jetzt gleich einen spirituell-kontemplativen Touch bekommt ;-))
Gerade weil ich erfüllte Tage kenne und pflege - plädiere ich für das Recht auf zeitweiligen Nicht-Anspruch und Nicht-Produktivität ;-)

